Lucjan Wolanowski
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Lucjan Wilhelm Wolanowski

(geb. als Lucjan Kon 26. Februar 1920 in Warschau; gest. 20. Februar 2006 in Warschau) war ein polnischer Schriftsteller, Journalist, Reisender, Übersetzer.

Urenkel des Industriellen und Fabrikanten Majer Wolanowski (1844-1900), Sohn des Anwalts Henryk W. Kon (1868-1949) und Ró¿a Wolanowska (1883-1932). Bruder von El¿bieta Wassongowa (1908-2007), Redakteurin und Übersetzerin der schönen Literatur, Julia Kon (1912-1912) und von Irena Sawicka (1914-2004), Juristin.

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Lucjan besuchte zunächst das hauptstädtische Miko³aj Rej Gymnasium, doch wegen der Krankheit setzte er seine Bildung im Jan Wieczorkowski Männergymnasium im Kurort Rabka fort (Abitur im Jahre 1938). In den Jahren 1935-1938 gemeinsam u.a. mit Jacek Wo¼niakowski, dem späteren Kunsthistoriker und katholischen Publizisten, leitete er die Zeitschrift „Szczebioty“ (Gezwitscher).

Er studierte an der Fakultät für Elektrochemie und Elektrometallurgie des Polytechnischen Instituts in Grenoble (Frankreich). In der Sommerferien 1939 kam er nach Polen wieder, wo ihn der Ausbruch des II. Weltkriegs überrascht hat.

Während der Okkupation lebte er zuerst in Warschau und dann verbarg er sich mit seinem Vater und seiner Tochter Irena in Sochaczew und Podkowa Le¶na. 1941 wurde er im Streitkampfbund (ZWZ) eingeschworen und ab 1942 war er Soldat der Landesarmee (Armia Krajowa). Er beteiligte sich an der Widerstandsbewegung, in dem er ausländische Rundfunksender (u.a. BBC) abhörte und dann Mitteilungen für polnischen Untergrund anfertigte.

Als Autor debütierte er im 1941 unter dem Pseudonym „Wilk“ (Wolf) in einer konspirativen Zeitschrift „Kronika Tygodniowa“ mit Feuilletons „Anekdoten im Schatten der Geschichte“ und dann in dem in hoher Auflage erscheinenden Abendblatt „Dzieñ Warszawy“ (1943 bis 1944). Sein Vorgesetzter war damals Teofil Syga (1903-1983) der spätere Mickiewicz-Kenner.

Nach dem Kriegsende in den Jahren 1945-1951 arbeitete er in Polnischer Presseagentur (PAP). Er war u.a. Berichterstatter der Konferenz für ausländische Journalisten im Außenministerium in Warschau. Zu dieser Zeit lernte er u.a. solche bekannten Journalisten wie: Edward R. Murrow, Sydney Gruson, Flora Lewis, Larry Allen, Vincent Buist und Pierre Maréchal kennen, die damals als Korrespondenten in Polen tätig waren.

Im Jahre 1950 heiratete er die in PAP getroffene Anna Bo¿enna Szumowska (jetzt Anna Wolan, geb 1924), spätere Sängerin, Solistin der Posener Oper (ihre Ehe dauerte bis 1969). Am 4. März 1952 ist ihre Tochter, Anna Helena auf die Welt bekommen, welche ab Ende der 60er Jahre in Australien (jetzt in North Bondi in der Sydneys Vorstadt) lebt.

Wolanowski war Redaktionsmitglied von folgenden Zeitschriften:

"¦wiat" (1951-1969); u.a. die Reihen: Fremde Flügel (1957); Länder und Völker (ab 1957); Unter die Räder und zurück (1958); Zweite, aber ob die letzte? (aus Japan, 1960); Asien (1960);
"Dooko³a ¶wiata" (1969-1976); u.a. die Korrespondenzreihen aus Australien (1965 bis 1967, 1975), aus Asien und Philippinen (1968), aus der Schweiz (1972);
"Magazyn Polski" (1976-1984).

Des Weiteren war er Mitarbeiter von folgenden Zeitschriften:

"Przekrój" (in den 40er Jahren und dann wiederum ab 70er Jahren); u. a. die Reportagen: Jetzt darf man es schon erzählen;
"Express Wieczorny" (Krakau, 1956); eine Reihe von Ermittlungsreportagen über den vielfachen Mörder W³adys³aw Mazurkiewicz, in Folge deren gegen Wolanowski zwei Verleumdungsklagen eingereicht wurden (er wurde freigesprochen);
"Poznaj ¦wiat" (1956-1967);
"Kontynenty" (1967-1968);
"¯ycie Warszawy" (1967-1968);
"Vlasta" (Prague, 1968);
"Kulisy" (1969-1970).

In den 60er Jahren machte er zahlreiche Reporterreisen, darunter einige Reisen um die Welt. Bei Landungsoperationen in Neuguinea war er ein bei der UNO akkreditierter Korrespondent (1962-1963). In 1965 war er Stipendiat des USA-Staatsministeriums. Es wurde ihm die Ehrenbürgerschaft von Springfield im amerikanischen Staat Illinois zuerkannt. Er war im Kennedys Kap, als von dort das Raumschiff Gemini 5 emporgeschossen wurde.

In den Jahren 1967-1968 erfüllte er die Funktion eines Beraters in der Informationsabteilung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf und dann auf dem Gebiet der Südostasiens und Ozeaniens (u.a. in Neu Delhi, Bangkok und Manila). Er verfasste Reportagen über die Bekämpfung von tropischen Krankheiten und über Rauschgifthandel in Philippinen, Thailand, Hongkong, Sarawak, Sabah und Brunei.

Im Jahre 1984 ging er in den Ruhestand.

Mitglied des Gewerkschaft der Journalisten der Republik Polen (Stowarzyszenie Dziennikarzy RP, 1945-1951), der Gesellschaft der Polnischen Journalisten (Stowarzyszenie Dziennikarzy Polskich, 1951-1982 und 1991-2006), des Bundes der Polnischen Literaten (Zwi±zek Literatów Polskich, 1959-1983), des polnischen PEN Clubs (Polski PEN Club, 1971-2006) und der Gesellschaft der Polnischen Schriftsteller (Stowarzyszenie Pisarzy Polskich, 1989-2006). Mitbegründer des 1960 bei der Weltorganisation des Flugzeughandels IATA in Montreal ins Leben berufenen Internationalen Bundes der Flugzeugschriftsteller.

Verfasser von 25 mehrmals neu aufgelegten und in fremde Sprachen übersetzten Reportagensammlungen (in Deutschland über Bolko Schweinitz und Emmanuel Gomolla). Lebte im Warschauer Stadtviertel Mokotów, an Odolañska Straße 23, im ehemaligen Haus der PAP-Mitarbeiter.

Lucjan Wolanowski starb am 20. Februar 2006 in Warschau. Begraben drei Tage später auf dem dortigen jüdischen Friedhof bei Okopowa Straße 49/51 (1. Straße, 2. Quartier).

Im April 2006 wurde von der Schlesischen Universität eine dem Schriftsteller gewidmete Sonderbeilage zur Universitätszeitung veröffentlicht, die einige Fragmente autobiografischer Texte, die Äußerungen zum Leben und zu den Werken des Schriftstellers, Presserezensionen und archivalische Fotografien von den von Wolanowski gemachten Reisen beinhaltet. Unter den Autoren erscheinen u.a. Jacek Wo¼niakowski, Hilary Koprowski, Eugeniusz Grasberg, Ludwik Jerzy Kern, Lech Paszkowski, Jolanta Klimowicz-Osmañczyk und Krystyna Goldbergowa.

MARIUSZ KUBIK

(Übersetzung: MAGDALENA PODRAZA)

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